Versicherungssumme Hausrat: was die 650-Euro-Formel bedeutet

Stand: 20. August 2026 · Von Nils Harder, Entwickler von Hausschatz

Zollstock und Maßband auf dem Dielenboden eines leeren Zimmers

Die Frage klingt nach einer Zahl, und genau so beantworten sie die meisten Ratgeber: 650 Euro pro Quadratmeter, mal Wohnfläche, fertig. Diese Rechnung ist nicht falsch, aber sie beantwortet eine andere Frage als die, die du eigentlich stellst. Sie sagt dir, ab wann dein Versicherer auf den Einwand der Unterversicherung verzichtet. Sie sagt dir nicht, was dein Hausrat wert ist.

Eins vorweg: Wir verkaufen keine Versicherungen, wir vermitteln keine und wir beraten auch nicht dazu. Welche Summe in deinem Vertrag steht, klärst du mit deinem Versicherer. Dieser Artikel erklärt, was hinter der Pauschale steckt und wie du den Wert deines Hausrats selbst nachvollziehbar ermittelst.

Was die Versicherungssumme überhaupt ist

Die Versicherungssumme ist der Betrag, bis zu dem deine Hausratversicherung im Schadensfall höchstens leistet. Sie ist eine Obergrenze, keine Auszahlung. Bemessen wird sie in aller Regel am Neuwert, also an dem Betrag, den du bräuchtest, um vergleichbare Sachen in neuwertigem Zustand wieder anzuschaffen. Nicht am Kaufpreis von damals und nicht am Gebrauchtwert von heute.

Das ist der erste Punkt, an dem viele Schätzungen schiefgehen. Eine sechs Jahre alte Waschmaschine würdest du gebraucht kaum verkaufen können, doch neu kostet sie wieder ihren vollen Preis. Für die Höhe der Versicherungssumme zählt dieser zweite Betrag. Wie im Schadensfall dann tatsächlich entschädigt wird, kann bei stark abgenutzten Sachen davon abweichen; auch das regeln die Bedingungen.

Versicherungssumme für den Hausrat berechnen: die 650-Euro-Formel

Die gängige Faustformel lautet: Wohnfläche in Quadratmetern mal 650 Euro. Je nach Anbieter liegt der Richtwert zwischen 500 und 750 Euro, einzelne Tarife rechnen mit deutlich mehr.

WohnflächeVersicherungssumme nach Pauschale
50 qm32.500 Euro
70 qm45.500 Euro
90 qm58.500 Euro
120 qm78.000 Euro
140 qm91.000 Euro

Diese Tabelle sagt nichts über deinen Hausrat aus. Sie ist kein Bewertungsverfahren, sondern die Schwelle, ab der viele Versicherer einen Unterversicherungsverzicht gewähren. Über den Inhalt deiner Wohnung weiß die Formel nichts: Sie kennt weder deine Kameraausrüstung noch die geerbte Standuhr noch die Tatsache, dass dein Schlafzimmer im Wesentlichen aus einem Bett und zwei Kisten besteht.

Dazu kommt ein Punkt, den Ratgeber von Versicherern selten betonen: Die Versicherungssumme ist in aller Regel zugleich die Grundlage deines Beitrags. Eine höhere Summe bedeutet einen höheren Beitrag. Die Pauschale ist deshalb bequem für beide Seiten, sie ersetzt aber weder eine Bewertung noch eine eigene Entscheidung.

Wann die Pauschale danebenliegt

Nach oben und nach unten, weil die Formel nur die Fläche kennt und nicht das, was darin steht.

Zu niedrig liegt sie typischerweise bei kleinen Wohnungen mit teurem Inhalt. Zwei Quadratmeter Schreibtisch mit Rechner, Monitoren und Kamera können mehr wert sein als das halbe Wohnzimmer. Wer auf 55 Quadratmetern arbeitet, Musik macht oder fotografiert, liegt mit seiner Ausstattung schnell über dem Pauschalwert von 35.750 Euro. Ob das so ist, zeigt der eigene Rundgang. Auch Schmuck, Fahrräder und Sammlungen sprengen die Flächenlogik, wobei für einige dieser Posten ohnehin eigene Entschädigungsgrenzen in den Bedingungen stehen.

Zu hoch liegt sie bei großen, eher zurückhaltend eingerichteten Wohnungen. 140 Quadratmeter mit gebrauchten Möbeln, wenig Technik und ohne Wertsachen erreichen selten 91.000 Euro. Dann liegt ein Teil der versicherten Summe rechnerisch über dem, was tatsächlich im Haushalt steht, denn ersetzt wird grundsätzlich der entstandene Schaden und nicht die vereinbarte Summe. Was daraus für deinen Vertrag folgt, ist eine Frage an deinen Versicherer.

Unterversicherung, in Zahlen

Ist die Versicherungssumme erheblich niedriger als der Wert des Hausrats, ist der Versicherer nur zu einer anteiligen Leistung verpflichtet. Der Gesetzestext dazu, Paragraf 75 des Versicherungsvertragsgesetzes, ist kurz:

Ist die Versicherungssumme erheblich niedriger als der Versicherungswert zur Zeit des Eintrittes des Versicherungsfalles, ist der Versicherer nur verpflichtet, die Leistung nach dem Verhältnis der Versicherungssumme zu diesem Wert zu erbringen.

Der Begriff Versicherungswert aus dem Gesetz meint den Wert deines Hausrats, in der Hausratversicherung also im Grundsatz den Neuwert. Diese gesetzliche Regel gilt, soweit im Vertrag nichts anderes vereinbart ist; in Hausratverträgen ist die Unterversicherung häufig in den Bedingungen eigenständig geregelt.

In Zahlen: Dein Hausrat ist 100.000 Euro wert, versichert sind 50.000 Euro. Nach einem Wasserschaden sind Möbel im Wert von 10.000 Euro hin. Ersetzt werden dann nicht 10.000 Euro, sondern die Hälfte, also 5.000 Euro. Die Kürzung trifft dich auch bei kleinen Schäden, obwohl die Versicherungssumme rechnerisch locker gereicht hätte.

Entscheidend ist dabei das Wort erheblich: Kleinere Abweichungen lösen die anteilige Kürzung nicht aus. Wo genau die Grenze verläuft, hängt vom Einzelfall und von deinen Bedingungen ab.

Was der Unterversicherungsverzicht leistet und was nicht

Ist ein Unterversicherungsverzicht vereinbart, verzichtet der Versicherer auf genau diese anteilige Kürzung. Ein Schaden von 10.000 Euro wird dann als Schaden von 10.000 Euro reguliert, auch wenn dein Hausrat mehr wert ist als die vereinbarte Summe.

Was der Verzicht nicht tut: Er hebt die Versicherungssumme nicht auf. Sie bleibt die Obergrenze der Entschädigung. Bei einem Wohnungsbrand mit Totalverlust bekommst du auch mit Verzicht nur bis zur vereinbarten Summe ersetzt, der Rest bleibt an dir hängen. Der Verzicht schützt also gegen die anteilige Kürzung bei Teilschäden; der vollständige Verlust des gesamten Hausrats ist der seltenere, aber teuerste Fall.

Der Verzicht ist außerdem an Voraussetzungen geknüpft, meist an die Einhaltung der vereinbarten Summe je Quadratmeter und an eine richtig angegebene Wohnfläche. Was in deinem Fall gilt, steht in deinen Versicherungsbedingungen.

Deshalb bleibt die Frage nach dem echten Wert relevant, auch wenn die Pauschale eingehalten ist.

So ermittelst du den Wert deines Hausrats selbst

Der Weg ist unbequem, aber überschaubar. Für eine Dreizimmerwohnung mit Sammeleinträgen für Kleinkram bist du an einem Nachmittag durch.

Geh Raum für Raum vor. Ein Raum ist eine abgeschlossene Einheit, und nach dem ersten fertigen Raum hast du schon den größten Teil des Nutzens. Fang mit dem wertvollsten an, meist Wohnzimmer oder Arbeitszimmer.

Frag bei jedem Gegenstand: Was kostet das heute neu? Nicht, was du damals bezahlt hast. Bei Elektronik hilft ein kurzer Blick in einen Shop, bei Möbeln reicht eine ehrliche Schätzung.

Fasse Kleinkram zusammen. Bücher, Geschirr, Kleidung, Werkzeug: ein Sammeleintrag je Schrank oder Regal, mit einem Gesamtbetrag. Wer jede Gabel einzeln erfassen will, verliert die Lust, bevor der zweite Raum dran ist. Ein Sammeleintrag reicht völlig.

Denk an Keller, Dachboden, Garage und Balkon. Dort stehen oft Fahrräder, Werkzeug und Gartengeräte, also genau die Posten, die in Schätzungen fehlen. Für deine eigene Wertübersicht gehören sie dazu; ob und in welchem Umfang sie versichert sind, regeln die Versicherungsbedingungen häufig gesondert.

Halte fest, was du siehst. Ein Foto und der Kaufbeleg sind im Schadensfall mehr wert als jede Erinnerung. Wie du dabei vorgehst, steht ausführlich in unserer Anleitung für die Hausrat-Inventarliste; wenn du lieber auf Papier oder in Excel arbeitest, nimm die kostenlose Inventarliste als Vorlage. Was überhaupt alles zum Hausrat zählt, klärt der Überblick Was gehört zum Hausrat?

Am Ende hast du eine Summe. Sie ist keine Versicherungssumme und kein Gutachten, sondern die dokumentierte Summe dessen, was du besitzt. Genau damit gehst du vorbereitet in das Gespräch mit deinem Versicherer, statt eine Zahl aus einem Rechner zu übernehmen.

Warum die Liste unabhängig von der Summe zählt

Selbst wenn deine Versicherungssumme gut passt, musst du im Schadensfall belegen, was du besessen hast. Nach einem Einbruch verlangt die Polizei eine Stehlgutliste, der Versicherer eine Aufstellung der beschädigten oder verlorenen Sachen. Beides aus dem Gedächtnis zusammenzubekommen, während die Wohnung verwüstet ist, gelingt selten vollständig.

Wer vorher dokumentiert hat, hat diese Liste bereits. Fotos zeigen Zustand und Ausstattung, aufbewahrte Belege belegen Anschaffung und Preis.

Wann du die Summe überprüfen solltest

Nach jedem Umzug, denn Fläche und Ausstattung ändern sich zugleich. Nach größeren Anschaffungen wie einer neuen Küche, einem E-Bike oder einem teuren Rechner. Und ansonsten einmal im Jahr mit einem kurzen Blick auf deine Liste. Hausrat wächst leise, die Zahl im Vertrag wächst nicht mit; anpassen kannst du sie nur über deinen Versicherer.

Vom Rundgang zur eigenen Zahl

Der Rundgang aus diesem Artikel ist genau das, wofür Hausschatz gebaut ist: Du legst deine Räume an, erfasst jeden Gegenstand mit Foto, Beleg und heutigem Neupreis und siehst die dokumentierten Werte je Raum und insgesamt. Am Ende exportierst du alles als PDF und hast damit eine Übersicht in der Hand, die du selbst geprüft hast.

Alle Daten bleiben lokal auf deinem iPhone, ohne Konto und ohne Cloud. Der Anfang mit zwei Räumen und zehn Gegenständen kostet nichts, für größere Inventare gibt es Hausschatz Plus für 5,99 Euro im Monat oder 39,99 Euro im Jahr.

Was am Ende dasteht, sind dokumentierte Werte deines Besitzes. Eine Versicherungssumme ist das nicht, die vereinbarst du mit deinem Versicherer.

Häufige Fragen

Wie berechne ich die Versicherungssumme für meinen Hausrat?

Die verbreitete Formel lautet Wohnfläche in Quadratmetern mal 650 Euro. Sie ist schnell, sagt aber nur, welche Summe dein Versicherer für den Unterversicherungsverzicht sehen will. Den Wert deines Hausrats bekommst du nur über einen eigenen Rundgang: Raum für Raum, je Gegenstand der heutige Neupreis, Kleinkram als Sammeleintrag. Welche Summe am Ende im Vertrag steht, vereinbarst du mit deinem Versicherer.

Wie hoch sollte die Versicherungssumme für den Hausrat sein?

So hoch, dass du deinen kompletten Hausrat davon neu anschaffen könntest. Als Richtwert nennen viele Anbieter 650 Euro je Quadratmeter Wohnfläche, andere rechnen mit 500 bis 750 Euro. Ob das zu deinem Haushalt passt, weißt du erst, wenn du ihn einmal durchgegangen bist. Maßgeblich sind am Ende dein Vertrag und die vereinbarten Bedingungen.

Was bedeutet die Pauschale von 650 Euro pro Quadratmeter?

Sie ist in erster Linie eine Vertragsschwelle: Wer mindestens diesen Betrag je Quadratmeter versichert, bekommt bei vielen Anbietern einen Unterversicherungsverzicht. Eine Bewertung deines tatsächlichen Hausrats ist die Pauschale nicht, denn sie kennt nur deine Wohnfläche und nicht das, was darin steht. Welcher Wert für deinen Tarif gilt, steht in deinen Bedingungen.

Was passiert bei einer Unterversicherung?

Liegt die Versicherungssumme erheblich unter dem Wert des Hausrats, ist der Versicherer nach Paragraf 75 des Versicherungsvertragsgesetzes nur zu einer anteiligen Leistung verpflichtet. Wer die Hälfte des tatsächlichen Werts versichert hat, bekommt im Grundsatz auch nur die Hälfte des Schadens ersetzt. Ob und wie das in deinem Fall greift, hängt von deinen Versicherungsbedingungen ab.

Schützt der Unterversicherungsverzicht vor jeder Kürzung?

Nein. Er nimmt die anteilige Kürzung aus dem Spiel, hebt die Versicherungssumme aber nicht auf. Sie bleibt die Obergrenze der Entschädigung, bei einem Totalverlust also auch dann, wenn dein Hausrat mehr wert ist. Der Verzicht ist außerdem an Voraussetzungen geknüpft, die in deinen Bedingungen stehen.

Ersetzt eine Inventarliste die Versicherungssumme?

Nein, das sind zwei verschiedene Dinge. Die Versicherungssumme steht in deinem Vertrag. Eine Inventarliste hält fest, was du besitzt und was es wert ist. Sie hilft dir beim Einschätzen und im Schadensfall beim Nachweisen, sie ändert aber nichts an der vereinbarten Summe.

Wann sollte ich die Versicherungssumme überprüfen?

Immer dann, wenn sich am Haushalt etwas Größeres ändert: nach einem Umzug, nach einer neuen Küche, einem E-Bike oder einem teuren Rechner. Dazu einmal im Jahr ein kurzer Blick auf die eigene Liste. Ändern lässt sich die Summe nur über deinen Versicherer.