Hausrat fotografieren: So gehst du vor

Stand: 20. August 2026 · Von Nils Harder, Entwickler von Hausschatz

Smartphone fotografiert ein Regal mit Kamera, Lautsprecher und Textilien

Eine Liste kann behaupten, dass ein Fernseher existiert. Ein Foto zeigt ihn, samt Modell, Zustand und Umgebung. Dafür reicht dein iPhone völlig; du brauchst weder Ausrüstung noch perfekte Ausleuchtung. Ich fotografiere meinen eigenen Hausrat genau so, wie es hier steht, und der komplette Durchgang durch eine Wohnung dauert keinen Nachmittag.

Drei Arten von Fotos, die sich lohnen

Eine brauchbare Dokumentation besteht aus drei Ebenen: Übersicht, Einzelaufnahme, Detail. Jede beantwortet eine andere Frage, und keine ersetzt die andere.

ArtBeantwortet die FrageAnzahl je Raum
ÜbersichtWas stand überhaupt in diesem Raum?4 bis 6
EinzelaufnahmeWelcher Gegenstand ist gemeint, in welchem Zustand?eine je Position der Inventarliste
DetailWelches Modell, welche Seriennummer?eine je Gerät mit Typenschild

Übersichtsfotos je Raum

Stell dich in jede Ecke des Raums und fotografiere einmal quer durch. Vier bis sechs Aufnahmen pro Raum genügen. Diese Fotos sind unterschätzt: Sie zeigen auf einen Schlag Möbel, Teppiche, Lampen, Vorhänge und alles Kleine, das niemand einzeln erfasst. Auch geöffnete Schränke und Schubladen gehören dazu, ein Blick hinein sagt mehr als jede Aufzählung.

Einzelfotos wertvoller Gegenstände

Alles, was dir einzeln wichtig ist, bekommt ein eigenes Foto: Elektronik, Schmuck, Uhren, Fahrräder, Musikinstrumente, Designermöbel, Sammlungen. Ein neutraler Hintergrund ist schön, aber kein Muss; halte dich damit nicht auf.

Detailfotos von Typenschild und Seriennummer

Bei Elektronik und Geräten ist die Seriennummer die eindeutige Kennung. Sie steht auf einem Aufkleber an Rückseite, Unterseite oder im Batteriefach, bei Fahrrädern eingeprägt am Rahmen, meist unter dem Tretlager, siehe dazu den Ratgeber zur Rahmennummer am Fahrrad. Fotografiere den Aufkleber so, dass die Nummer lesbar ist, und tippe sie zusätzlich als Text in deine Inventarliste; dann kannst du später danach suchen.

Wie viel Aufwand das wirklich ist

Eine Wohnung mit fünf Räumen kostet rund 90 Aufnahmen und etwa anderthalb Stunden. Der Umfang lässt sich also vorher ausrechnen, und er ist kleiner als befürchtet. Beispiel für eine Wohnung mit fünf Räumen und rund 40 einzeln erfassten Gegenständen:

  • 5 Räume mal 5 Übersichtsfotos: 25 Aufnahmen
  • 40 Einzelfotos für die Gegenstände der Liste: 40 Aufnahmen
  • Detailfotos für die etwa 25 Geräte mit Typenschild: 25 Aufnahmen
  • Summe: 90 Aufnahmen

Bei rund einer Minute je Aufnahme, also fotografieren, Bezeichnung tippen, Wert schätzen, ergibt das etwa anderthalb Stunden für die ganze Wohnung, sinnvoll verteilt auf zwei bis drei Abende. Beim Speicherplatz musst du nichts befürchten: Eine 12-Megapixel-Aufnahme im HEIC-Format des iPhones belegt je nach Motiv etwa 1,5 bis 3 MB. 90 Fotos landen damit bei ungefähr 200 MB, also weniger als eine Handvoll Videos.

Die Reihenfolge, die am wenigsten Kraft kostet

Fang beim wertvollsten Raum an, nicht beim aufgeräumtesten. Das ist meistens das Wohnzimmer oder das Arbeitszimmer, weil dort Elektronik steht. Nach einem einzigen Abend hat deine Dokumentation dann schon den größten Teil ihres Nutzens, und der Rest ist Nacharbeit statt Grundlagenarbeit.

Innerhalb eines Raums hat sich diese Folge bewährt: erst die Übersichtsfotos aus den Ecken, dann die Schränke einmal geöffnet, dann die Einzelstücke, zuletzt die Typenschilder. So fotografierst du jeden Bereich einmal und läufst nicht dreimal durch denselben Raum. Keller, Dachboden und Garage kommen zum Schluss, denn dort steht selten das Wertvollste, aber dort steht das, was man beim Aufzählen aus dem Kopf immer vergisst.

Worauf du bei den Aufnahmen achten solltest

Fünf Regeln machen den Unterschied zwischen einem Foto und einem Nachweis: Tageslicht, ein Gegenstand je Bild, ehrlicher Zustand, Beleg daneben, kein Warten auf Vollständigkeit.

  • Tageslicht nutzen. Licht aus dem Fenster vermeidet Blitz-Reflexe auf Displays und Glas.
  • Ein Gegenstand, ein Foto. Bilder, auf denen zehn Dinge gleichzeitig zu sehen sind, taugen als Übersicht, aber nicht als Nachweis für den einzelnen Gegenstand.
  • Zustand ehrlich festhalten. Kratzer oder Gebrauchsspuren ruhig mitfotografieren. Eine Dokumentation ist kein Verkaufsprospekt; sie soll den tatsächlichen Zustand zeigen.
  • Kaufbeleg dazulegen. Wenn du die Rechnung noch hast, fotografiere sie direkt mit ab. Was bei Belegen sonst noch zählt, steht im eigenen Artikel.
  • Nicht auf Vollständigkeit warten. Ein fertig fotografierter Raum ist mehr wert als eine halb fotografierte Wohnung.

Vorsicht bei Metadaten: Was deine Fotos verraten

Jedes iPhone-Foto trägt unsichtbare Zusatzdaten mit sich, darunter den Aufnahmeort als GPS-Koordinate und Angaben zu Kamera, Aufnahmezeit und Belichtung. Bei einer Hausrat-Dokumentation heißt das: Jedes Foto deiner Wertsachen trägt deine Wohnadresse in sich.

Solange die Bilder nur bei dir liegen, ist das unkritisch und sogar praktisch, weil die Zeitangabe das Aufnahmedatum belegt. Kritisch wird es beim Weitergeben. Zwei Wege, den Ort loszuwerden (Fotos-App unter iOS, Stand August 2026):

  1. Beim Teilen: In der Fotos-App die Bilder auswählen, auf das Teilen-Symbol tippen, oben auf Optionen gehen und dort die Ortsangabe abwählen. Die geteilte Kopie enthält den Ort dann nicht mehr.
  2. Dauerhaft am Bild: In der Detailansicht eines Fotos das Informationssymbol öffnen und den hinterlegten Ort entfernen. Das wirkt auf das Bild selbst, nicht nur auf eine Kopie.

Wer grundsätzlich keinen Ort in seinen Aufnahmen möchte, schaltet in den Systemeinstellungen die Ortungsdienste für die Kamera ab. Das gilt dann allerdings auch für Urlaubsfotos.

Cloud oder lokal, was ist sinnvoller?

Beides hat ein eigenes Risiko, und die ehrliche Antwort ist eine Abwägung statt einer Empfehlung. Lokal gespeicherte Fotos sind niemandem zugänglich außer dir, aber sie sind weg, wenn das Gerät verbrennt oder gestohlen wird. In einer Cloud liegen sie zwar sicher vor dem Wohnungsbrand, dafür liegen dort Aufnahmen deiner Wertsachen, oft mit Aufnahmeort, bei einem Anbieter, dessen Zugriffsschutz du nicht kontrollierst.

Der Weg, der beide Risiken klein hält: Die Dokumentation lokal führen, sie regelmäßig als PDF exportieren und dieses eine Dokument an einen zweiten Ort legen, den du selbst bestimmst. Ein Ausdruck bei Verwandten, ein verschlüsselter USB-Stick im Büro, ein Ordner in einem Speicher, den du ohnehin nutzt. Entscheidend ist nur, dass die Kopie nicht in derselben Wohnung liegt wie der Hausrat, den sie dokumentiert.

Fotografieren nach einem Schaden ist etwas anderes

Vorsorge-Fotos und Schadens-Fotos haben verschiedene Aufgaben, und wer das verwechselt, dokumentiert am Bedarf vorbei. Vorher zeigst du, dass es einen Gegenstand gab und in welchem Zustand er war. Nachher zeigst du, was mit ihm passiert ist und woher der Schaden kam.

Praktisch heißt das: Nach einem Ereignis kommen zwei Motive dazu, die es vorher nicht gibt. Erstens die Ursache, also die geplatzte Leitung, die aufgehebelte Tür, die Stelle an der Decke. Zweitens der beschädigte Gegenstand selbst, einzeln und aus zwei Richtungen. Und es gilt eine Regel, die es vorher nicht gibt: Wirf nichts weg, bevor der Fall abgeschlossen ist, auch nicht das offensichtlich Ruinierte. Die Reihenfolge der Schritte in so einer Lage steht im Ratgeber zum Wasserschaden.

Das Vorher-Foto lässt sich nach dem Schaden nicht mehr nachholen. Es ist der einzige Teil der Dokumentation, für den es später keine zweite Gelegenheit gibt.

Wann du die Fotos auffrischen solltest

Drei Anlässe genügen, ein fester Termin ist nicht nötig.

  • Bei jeder neuen Anschaffung ab etwa 100 Euro. Das Foto entsteht beim Auspacken, solange Karton, Typenschild und Rechnung noch beisammen liegen. Das ist der billigste Moment, den es gibt.
  • Einmal im Jahr ein Durchgang mit Übersichtsfotos. Nur die vier bis sechs Aufnahmen je Raum, keine Einzelfotos. Das dauert eine Viertelstunde und fängt alles auf, was du zwischendurch nicht erfasst hast.
  • Nach einem Umzug komplett neu. In der neuen Wohnung stehen die Sachen anders, manches ist verkauft, manches neu. Ein frischer Durchgang ist schneller als das Abgleichen alter Bilder.

Zwischendurch lohnt ein kurzer Blick darauf, ob die Fotos noch zu den Einträgen passen. Ein Bild vom Vorgängergerät unter dem Namen des aktuellen ist schlechter als gar kein Bild, weil es eine Angabe belegt, die nicht stimmt.

Wohin mit den Fotos?

Fotos gehören dorthin, wo sie an einem Gegenstand und an einem Raum hängen, nicht in die chronologische Mediathek. Der häufigste Fehler ist nämlich nicht das Fotografieren, sondern das Wiederfinden. 90 Hausrat-Fotos irgendwo zwischen Urlaubsbildern und Screenshots in der Mediathek helfen dir zwei Jahre später wenig, denn du suchst dann nicht nach einem Datum, sondern nach einem Gegenstand.

Drei Dinge machen den Unterschied:

  • Struktur statt Chronologie. Jedes Bild gehört an einen Gegenstand und dieser an einen Raum. Ein Album je Raum ist das Minimum, wenn du bei der Fotos-App bleibst.
  • Text zum Bild. Hersteller, Modell und Seriennummer getippt, nicht nur abfotografiert. Nach Text kannst du suchen, nach einem Bild nicht.
  • Ein Dokument, das alles zusammenhält. Im Ernstfall brauchst du keine 90 einzelnen Dateien, sondern eine Aufstellung, die Fotos, Werte und Belege in einer nachvollziehbaren Reihenfolge zeigt, so wie es auch eine Stehlgutliste nach einem Einbruch verlangt.

In Hausschatz hängen die Fotos direkt am jeweiligen Gegenstand im jeweiligen Raum, zusammen mit Wert, Seriennummer und Beleg. Beim Import werden Ort und Kameradaten automatisch entfernt und die Bilder im privaten Speicherbereich der App abgelegt, geschützt durch den Dateischutz von iOS. Der PDF-Export ist dann genau das eine Dokument, das du außerhalb der Wohnung aufbewahrst.

Häufige Fragen

Wie viele Fotos brauche ich für meinen Hausrat?

Für eine Wohnung mit fünf Räumen und rund 40 einzeln erfassten Gegenständen sind etwa 90 Aufnahmen ein realistischer Umfang: etwa fünf Übersichtsfotos je Raum, dazu ein Einzelfoto für jeden Gegenstand, den du in der Inventarliste führst, und ein Detailfoto vom Typenschild bei allem, was eine Seriennummer trägt. Mehr Fotos schaden nicht, aber ab einem gewissen Punkt kostet das Wiederfinden mehr Zeit, als die zusätzlichen Bilder einbringen.

Sollte ich Hausrat-Fotos in der Cloud speichern?

Das ist eine Abwägung zwischen zwei Risiken. Nur lokal gespeicherte Fotos sind weg, wenn das Gerät verbrennt oder gestohlen wird. In der Cloud liegen dagegen Aufnahmen deiner Wertsachen, meist samt Aufnahmeort, bei einem Anbieter. Ein pragmatischer Mittelweg: die Dokumentation lokal führen und regelmäßig als PDF exportieren, dieses PDF dann an einem zweiten Ort ablegen, den du selbst wählst.

Verraten meine Fotos meine Adresse?

Ja, wenn die Ortungsdienste für die Kamera aktiv sind. iPhone-Fotos speichern den Aufnahmeort als GPS-Koordinate in den Metadaten, dazu Kameramodell, Aufnahmezeit und Belichtungsdaten. Solange die Bilder auf deinem Gerät bleiben, ist das unkritisch und sogar nützlich. Beim Weitergeben solltest du den Ort entfernen: In der Fotos-App über das Teilen-Symbol auf Optionen tippen und dort die Ortsangabe abwählen (Stand August 2026).

Muss ich den Kaufbeleg mitfotografieren?

Wenn du ihn noch hast, ja, und zwar am besten in derselben Sitzung wie den Gegenstand. Der Beleg liefert Kaufdatum und Kaufpreis und damit genau die zwei Angaben, die einem Foto fehlen. Wie lange sich das Aufheben lohnt und was bei Kassenzetteln zu beachten ist, steht im Ratgeber zum Aufbewahren von Belegen auf hausschatz.app.

Reicht ein Video statt vieler Einzelfotos?

Als Ergänzung ja, als Ersatz nein. Ein langsamer Rundgang per Video ist ein guter Schnelleinstieg und dauert je Raum zwei Minuten. Für den einzelnen Gegenstand ist ein Standbild aus einem Video aber meist zu unscharf, um ein Typenschild oder eine Seriennummer zu lesen, und ein Video lässt sich später nicht nach einem bestimmten Gegenstand durchsuchen.

Wie finde ich ein Foto Jahre später wieder?

Über die Struktur, nicht über die Erinnerung. Fotos, die nur chronologisch in der Mediathek liegen, sind zwischen Urlaubsbildern praktisch verloren. Hilfreich ist eine Ablage, in der jedes Bild an einem Gegenstand und einem Raum hängt, und ein getippter Text zum Gegenstand, also Hersteller, Modell und Seriennummer, weil sich danach suchen lässt, während ein Foto stumm bleibt.

Was fotografiere ich, wenn ein Gegenstand keine Seriennummer hat?

Alles, was ihn unverwechselbar macht: Herstelleretikett, Materialangabe, Einnäher bei Textilien, Punzierung bei Schmuck, Gravuren, Reparaturstellen und Gebrauchsspuren. Bei Sammlerstücken zusätzlich Zertifikate oder Expertisen. Ziel ist ein Bild, mit dem sich der Gegenstand von einem ähnlichen unterscheiden lässt.