Hausrat-Inventarliste erstellen
Stand: 20. August 2026 · Von Nils Harder, Entwickler von Hausschatz

Eine Inventarliste des eigenen Hausrats klingt nach Arbeit, und genau deshalb haben die wenigsten eine. Dabei ist der Nutzen greifbar: Du weißt, was du besitzt, was es einmal gekostet hat und wo die Belege liegen. Das hilft beim Aufräumen und Ausmisten, beim Umzug, bei der Einschätzung deines Hausrats und im Ernstfall, wenn du nach einem Einbruch eine Stehlgutliste ausfüllst oder nach einem Wasserschaden Angaben zu deinen Sachen machen musst.
Der wichtigste Rat vorweg, aus eigener Erfahrung: Meine erste Liste ist genau daran gescheitert, dass ich alles auf einmal erfassen wollte. Fang klein an. Eine Liste mit einem einzigen fertig erfassten Raum ist mehr wert als der Plan einer perfekten Gesamtliste.
Schritt 1: Räume festlegen
Gliedere deine Liste nach Räumen, nicht nach Kategorien. Räume sind der natürliche Weg, wie du deine Wohnung durchgehst, und du siehst sofort, wo du schon fertig bist. Eine Kategorienliste zwingt dich dagegen, für jeden Gegenstand erst eine Zuordnung zu erfinden, und sie sagt dir nie, ob du fertig bist.
Übliche Aufteilung: Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche, Bad, Flur, Arbeitszimmer, Keller, Dachboden, Garage. Balkon und Abstellraum nicht vergessen. Was dabei überhaupt alles zählt, zeigt der Überblick Was gehört zum Hausrat?
Erfahrungsgemäß sind es immer dieselben Räume, in denen etwas untergeht:
| Raum | Wird regelmäßig übersehen |
|---|---|
| Keller | Fahrräder, Werkzeug, Reifensatz, Getränkevorrat, Campingausrüstung |
| Dachboden | Koffer, Weihnachtsdekoration, eingelagerte Möbel, Kinderkram |
| Flur und Garderobe | Jacken, Schuhe, Regenschirme, der Inhalt der Kommode |
| Bad | Handtuchvorrat, Haartrockner, elektrische Zahnbürsten, Kosmetik |
| Küche | Kleingeräte, Töpfe und Pfannen, Geschirr für zwölf Personen |
| Balkon | Möbel, Grill, Pflanzkübel, Sonnenschirm |
Schritt 2: Mit dem wertvollsten Raum beginnen
Starte dort, wo am meisten Wert steht, meistens im Wohnzimmer mit Fernseher, HiFi und Möbeln oder im Arbeitszimmer mit Computer, Monitoren und Kamera. So hat deine Liste schon nach dem ersten Abend den größten Teil ihres Nutzens, und alles Weitere ist Ergänzung statt Grundlage.
Der psychologische Effekt ist wichtiger, als er klingt. Wer im Keller anfängt, verbringt zwei Stunden mit Kisten und hat am Ende eine Liste, die den eigentlichen Hausrat nicht enthält. Wer im Wohnzimmer anfängt, sieht nach einer Stunde eine Summe, die etwas aussagt.
Schritt 3: Je Gegenstand die richtigen Angaben erfassen
Du brauchst nicht jedes Detail, sondern die Angaben, nach denen später jemand fragt. Bewährt haben sich sechs:
- Bezeichnung, so konkret wie nötig, also Hersteller, Produktart und Größe statt nur „Fernseher”
- Wert, als Anhalt der Kaufpreis; wenn du ihn nicht mehr weißt, eine ehrliche Schätzung. Geht es dir um den heutigen Wert, nimm stattdessen den Neupreis; warum das ein Unterschied ist, steht im Artikel zur Versicherungssumme für den Hausrat
- Kaufdatum, zumindest das Jahr
- Seriennummer bei Elektronik und Wertgegenständen; sie steht meist auf einem Aufkleber an der Rückseite oder Unterseite
- Raum, in dem der Gegenstand steht
- Foto des Gegenstands und, falls vorhanden, des Kaufbelegs
Kleinkram musst du nicht einzeln erfassen. Für Besteck, Bücher oder Kleidung reicht oft ein Sammeleintrag je Schrank oder Regal mit einem Foto und einer Summenschätzung. Als Faustregel für Neues: Beleg aufheben ab etwa 50 Euro, eigener Eintrag in der Liste ab etwa 100 Euro.
Schritt 4: Fotos direkt beim Erfassen machen
Fotografiere, solange du ohnehin vor dem Gegenstand stehst. Später noch einmal durch die Wohnung zu gehen, kostet die doppelte Zeit und passiert erfahrungsgemäß nicht.
Ein Foto dokumentiert nachvollziehbar, dass es den Gegenstand gab und in welchem Zustand er war. Fotografiere ihn als Ganzes und bei Elektronik zusätzlich das Typenschild mit der Seriennummer. Wie du dabei am besten vorgehst, steht im Artikel über das Fotografieren des Hausrats.
Schritt 5: Belege zuordnen
Rechnungen und Quittungen gehören direkt zum jeweiligen Gegenstand, nicht in einen separaten Schuhkarton. Der Grund ist simpel: Ein Beleg ohne Zuordnung ist im Ernstfall ein Suchauftrag, kein Nachweis.
Fotografiere den Beleg ab und lege ihn beim Eintrag ab. Wie lange sich das Aufheben lohnt und warum Kassenzettel eine eigene Behandlung brauchen, steht im Artikel über das Aufbewahren von Belegen.
Schritt 6: Die Liste aktuell halten
Eine Inventarliste ist kein einmaliges Projekt, sondern eine kleine Gewohnheit. Zwei Rhythmen reichen aus.
Neue Anschaffungen ab etwa 100 Euro erfasst du direkt beim Auspacken; das dauert eine Minute, solange Karton und Rechnung noch auf dem Tisch liegen. Und einmal im Jahr, zum Beispiel beim Frühjahrsputz, gehst du die Liste kurz durch und streichst, was du nicht mehr besitzt. Der zweite Teil wird oft vergessen, ist aber genauso wichtig: Eine Liste, die verkaufte oder entsorgte Sachen weiterführt, wird mit jedem Jahr unglaubwürdiger.
Wie lange das Ganze wirklich dauert
Für eine Wohnung mit fünf Räumen und rund 150 Zeilen sind es etwa zweieinhalb Stunden. Der Aufwand lässt sich also vorher ausrechnen, und das nimmt dem Vorhaben viel von seiner Schwere. Ein Rechenbeispiel für eine Wohnung mit fünf Räumen:
- 200 Gegenstände im Kopf, davon wandern rund 60 in Sammeleinträge (Bücher, Kleidung, Geschirr, Vorräte)
- Bleiben etwa 140 einzelne Positionen plus 12 Sammeleinträge, also rund 150 Zeilen
- Bei etwa einer Minute je Zeile, also erfassen, fotografieren, Wert schätzen: rund zweieinhalb Stunden
- Verteilt auf vier Abende zu 40 Minuten ist das eine Woche nebenbei
Wer bei null anfängt, sollte die erste Stunde für den wertvollsten Raum einplanen und danach entscheiden, ob es in diesem Tempo weitergeht. Meist geht es schneller, weil die Nebenräume weniger einzelne Positionen enthalten, als man denkt.
Was nicht in die Inventarliste gehört
Nicht alles in einer Wohnung ist Hausrat. Grob gilt: Was beweglich ist und dir gehört, gehört in die Liste; was fest zum Gebäude gehört, gehört nicht hinein.
Nicht in die Liste gehören deshalb Wände, Estrich, Parkett, Einbauleitungen und fest verbaute Sanitärobjekte. Das ist Sache des Gebäudes und nicht deines Inventars. Ebenfalls draußen bleiben das Auto und der Anhänger, weil sie eigene Papiere und eine eigene Systematik haben. Fremdes Eigentum, also geliehene und geleaste Sachen, notierst du besser getrennt und kennzeichnest es als solches.
Zwei Grenzfälle lohnen eine eigene Zeile in deiner Liste, weil man später oft danach fragt: Einbauküchen, die du selbst angeschafft und mitgebracht hast, und Bargeld sowie Wertsachen im Tresor. Beides wird beim Aufzählen aus dem Kopf regelmäßig vergessen, und beides taucht in Formularen als eigene Frage auf. Ob und wie das jeweils behandelt wird, richtet sich nach deinen Versicherungsbedingungen. Die genaue Abgrenzung mit allen typischen Zweifelsfällen steht im Überblick zum Hausrat, der oben schon verlinkt ist.
Die drei Gründe, an denen Listen scheitern
Fast alle unfertigen Inventarlisten scheitern an denselben drei Punkten, und alle drei lassen sich vorher entschärfen.
Zu fein angefangen. Wer die Bücher einzeln erfassen will, kommt nie in den zweiten Raum. Der Ausweg ist der Sammeleintrag: ein Regal, ein Foto, eine Summenschätzung, eine Zeile.
Kein fester Anfangspunkt. „Irgendwann mache ich das mal” ist kein Termin. Ein einzelner Abend mit einem einzelnen Raum ist einer. Danach entscheidest du weiter, aber du hast schon etwas.
Werte gemischt. Wenn in derselben Liste mal der Kaufpreis, mal der heutige Neupreis und mal ein Schätzwert steht, ist die Summe am Ende nichts wert. Entscheide dich einmal für eine Sichtweise und notiere sie oben in der Liste, damit du in einem Jahr noch weißt, was die Zahlen bedeuten.
Was die Liste dir bringt, wenn nie etwas passiert
Der Ernstfall ist der schlechteste Grund, eine Inventarliste zu führen, weil er selten eintritt.
- Beim Umzug: Die Liste ist gleichzeitig die Packliste und die Grundlage für das Angebot einer Spedition, weil sie sagt, wie viel Volumen und welche empfindlichen Stücke unterwegs sind.
- Beim Ausmisten: Was seit Jahren in der Liste steht und dir beim Durchgehen nicht einfällt, brauchst du vermutlich nicht.
- Beim Verkaufen: Kaufdatum, Modellbezeichnung und Seriennummer stehen schon da, statt dass du hinter dem Schrank nach dem Typenschild suchst.
- Bei Garantiefällen: Kaufdatum und Beleg sind in Sekunden zur Hand, und genau daran hängt, welche Fristen noch laufen.
- Bei der eigenen Einschätzung: Die meisten unterschätzen ihren Hausrat deutlich, weil man Kleinteile im Kopf nicht addiert. Die Summe der dokumentierten Werte ist die einzige Antwort, die auf Einzelposten beruht statt auf einem Gefühl. Was sie aussagt, hängt davon ab, welche Sichtweise du gewählt hast: eine Summe aus Kaufpreisen beantwortet eine andere Frage als eine Summe aus heutigen Neupreisen.
Womit erfassen?
Papier, Tabelle oder App spielen eine kleinere Rolle als die Frage, ob du die Liste wirklich führst und ob du im Ernstfall an sie herankommst, auch wenn die Wohnung selbst betroffen ist.
Wenn du mit Papier oder Excel starten willst, findest du hier eine fertige Inventarliste als Vorlage als PDF zum Ausdrucken und als Excel mit automatischen Summen je Raum. Die Schwäche jeder Tabelle ist die Verbindung zu Fotos und Belegen: Die liegen dann an einem anderen Ort, und genau diese Zuordnung löst sich mit den Jahren auf.
Unabhängig vom Werkzeug gilt eine Regel: Bewahre eine Kopie außerhalb der Wohnung auf, zum Beispiel als PDF-Export. Eine Dokumentation, die zusammen mit dem Hausrat verschwindet, den sie dokumentiert, erfüllt ihren Zweck nicht.
Wenn du es auf dem iPhone erledigen willst: Genau dafür gibt es Hausschatz. Räume anlegen, Gegenstände mit Fotos, Belegen und Werten erfassen, dokumentierte Werte je Raum sehen und alles als PDF exportieren. Alle Daten bleiben dabei lokal auf deinem Gerät.
Häufige Fragen
Was gehört in eine Hausrat-Inventarliste?
Je Gegenstand mindestens eine eindeutige Bezeichnung mit Hersteller und Modell, ein Wert, das Kaufjahr und der Raum, in dem er steht. Bei Elektronik und Wertgegenständen kommt die Seriennummer dazu, dazu ein Foto und, falls vorhanden, der Kaufbeleg. Alles Weitere ist Komfort, diese fünf bis sechs Angaben sind der Kern.
Wie fange ich an, wenn ich 200 Gegenstände habe?
Mit einem einzigen Raum, und zwar dem wertvollsten. Eine Liste mit einem fertig erfassten Raum ist mehr wert als der Plan einer perfekten Gesamtliste. Rechne mit etwa einer Minute je Zeile. Von 200 Gegenständen wandern erfahrungsgemäß rund 60 in Sammeleinträge, es bleiben also etwa 150 Zeilen und damit rund zweieinhalb Stunden, verteilt auf vier Abende.
Welchen Wert trage ich ein, den Kaufpreis oder den heutigen Preis?
Das hängt davon ab, wofür du die Liste führst. Für die eigene Übersicht und für Garantiefragen ist der Kaufpreis der ehrlichere Wert, weil er belegbar ist. Willst du wissen, was eine Neubeschaffung heute kosten würde, trägst du den heutigen Neupreis ein. Entscheide dich für eine der beiden Sichtweisen und bleib dabei, sonst summierst du Äpfel und Birnen.
Wie oft muss ich die Inventarliste aktualisieren?
Zwei Rhythmen genügen. Neue Anschaffungen ab etwa 100 Euro erfasst du direkt beim Auspacken, das dauert eine Minute, solange Karton und Rechnung noch auf dem Tisch liegen. Dazu einmal im Jahr ein Durchgang, bei dem du streichst, was du nicht mehr besitzt. Nach einem Umzug lohnt ein kompletter neuer Durchgang.
Muss ich wirklich jeden Gegenstand einzeln erfassen?
Nein, und der Versuch ist der häufigste Grund, warum Listen unfertig bleiben. Einzeln erfasst wird, was einen eigenen Wert hat, meist ab etwa 100 Euro, oder eine Seriennummer trägt. Für Besteck, Bücher, Kleidung und Vorräte reicht ein Sammeleintrag je Schrank oder Regal mit einem Foto und einer Summenschätzung.
Reicht eine Excel-Tabelle für die Inventarliste?
Ja, solange du sie tatsächlich führst und im Ernstfall an sie herankommst. Eine Tabelle rechnet Summen zuverlässig und lässt sich ausdrucken. Ihre Schwäche ist die Verbindung zu Fotos und Belegen: Die liegen dann woanders, und genau diese Zuordnung geht mit der Zeit verloren. Wichtiger als das Werkzeug ist, dass eine Kopie außerhalb der Wohnung liegt.
Wozu brauche ich eine Inventarliste überhaupt?
Sie beantwortet eine Frage, die im Kopf niemand vollständig beantworten kann: Was besitze ich, was hat es gekostet und wo liegt der Nachweis dazu. Gebraucht wird das beim Umzug, beim Verkauf, beim Ausmisten, bei der Einschätzung des eigenen Hausrats und in dem Moment, in dem etwas fehlt oder beschädigt ist und jemand eine Aufstellung sehen will.
In welcher Reihenfolge gehe ich die Wohnung durch?
Vom wertvollsten zum unauffälligsten Raum, also typischerweise Wohnzimmer, Arbeitszimmer, Schlafzimmer, Küche, dann Flur und Bad, zuletzt Keller, Dachboden und Garage. Der Nutzen der Liste wächst am Anfang am schnellsten, und die Nebenräume sind gleichzeitig die, in denen sich die vergessenen Posten sammeln.